Sanitätsbereitschaft Unterweißbach pflegt die Nachwuchsarbeit
Die Sanitätsbereitschaft Unterweißbach legt ein großes Augenmerk auf die Nachwuchsarbeit. Die Jugendrotkreuz-Gruppe ist die dritte im Kreisverband Rudolstadt. Elf Mädchen und Jungen sind mit Freude dabei.

Bereitschaftsleiter Christian Fischer erklärt an der Übungspuppe, wie Menschen im Notfall reanimiert werden können. Michael Graf
Unterweißbach. Anja Becher findet es sehr gut, dass ihre Söhne Pascal (13) und Jonas (9) mit Begeisterung beim Unterweißbacher Jugendrotkreuz aktiv sind. Das sei allemal besser als stundenlang vorm Fernseher zu sitzen oder am Computer zu spielen. In den Ausbildungsstunden "lernen wir viel, was wir im Notfall gebrauchen können", sagt Pascal. Die drei Jahre jüngere Anna bezeichnet die Zusammenkünfte einfach als "cool" und fügt an: "Wenn Mutti sich mal schneiden würde, kann ich sie verbinden". Und auch für die elfjährige Elisa ist wichtig, "dass ich anderen Leuten helfen kann".
Im April 2011 war die Gruppe als dritte im DRK-Kreisverband Rudolstadt ins Leben gerufen worden. Sie hat die Stärke einer Fußballmannschaft und trifft sich jeden zweiten Montag im Stützpunkt der Sanitätsbereitschaft. "Es macht Spaß, mit den Kindern zu arbeiten", bekundet Christian Fischer, "obwohl es mit der Rasselbande manchmal ganz schön anstrengend ist." Der heute 23-Jährige begann selbst schon mit zehn Jahren beim Rotkreuz-Nachwuchs. Jetzt ist er Krankenpfleger in der Thüringen-Klinik Saalfeld und gibt seine Erfahrungen gern an die elf Mädchen und Jungen weiter. Mit seinem Vater Norbert und Michael Sorge organisiert er die Ausbildung - "nicht zuletzt, um unsere Bereitschaft am Leben zu halten". Das Rote Kreuz hat im Lichtetal eine sehr lange Tradition. 1924 war die Freiwillige Sanitätskolonne Unterweißbach gegründet worden, weiß Bereitschaftsleiter Norbert Fischer.
Die Nachwuchsarbeit wird auch im DRK-Kreisverband Rudolstadt hoch geschätzt. "Wie die Jugend hier dafür begeistert wird, ist eine tolle Sache", lobt dessen Vorsitzender Matthias Schmidt.
Kindgemäß werden Grundkenntnisse in der Ersten Hilfe vermittelt, und das Erlernte wird gleich praktisch ausprobiert, etwa an der kleinen "Anne", der geduldigen Übungspuppe. Spektakulärer waren die beiden Waldttage im Sepember und Oktober. Michael Sorge musste da gesucht werden. Die Kinder fanden ihn mit (natürlich nur geschminkter) Kopf- und Unterschenkelverletzung vor, "schluckten aber ganz gehörig", wie Norbert Fischer berichtet. Für den 43-Jährigen, der die Bereitschaft seit zwölf Jahren leitet, steht jedoch außer Zweifel, dass die Mädchen und Jungen "ihre Scheu verlieren müssen". Nur so könnten sie in einer Notsituation Ihresgleichen oder Älteren wirklich helfen, "und das begreifen sie inzwischen immer besser".
32 Mitglieder hat die Unterweißbacher Sanitätsbereitschaft aktuell. Mit 89 nimmt Erich Sorge als Senior immer noch gern am Bereitschaftsleben teil. "Nesthäkchen" Stella zählt acht Lenze. Ein "Tag der offenen Tür" im Frühjahr hatte einen Schub gebracht. So stießen danach vier weitere Frauen zur Truppe, von denen drei im DRK-Kindergarten im Ort beschäftigt sind. Anke Matuschek, die vierte im Bunde, ist Krankenschwester. Ihr Geschenk für die Arbeit mit der Jugend sind mehrere Exemplare eines altersgerecht aufbereiteten Buches über Hilfe im Katastrophenfall, das gern genutzt wird.
Als nächsten Höhepunkt für den Nachwuchs kündigt Norbert Fischer einen Besuch der Rettungsleitstelle Saalfeld noch im November an. Die Weihnachtsfeier steigt dann am 12. Dezember. "Dann bekommt jeder eine gefüllte Sanitätstasche", verrät der Bereitschaftschef. Mit T-Shirts und Jacken konnten die Jugendrotkreuzler bereits ausgestattet werden, weil sich die Unterweißbacher auch bei der Haus- und Straßensammlung 2011 ausgesprochen spendenfreudig zeigten. Das Ergebnis von rund 1900 Euro zeigte einmal mehr, wie die Bürger und Geschäftsleute "ihrem" DRK zugetan sind.
Die Sanitätsbereitschaft war in diesem Jahr bereits 64 Mal zur Erstversorgung von hilfebedürftigen Menschen im Einsatz. Als Teil der schnellen Einsatzgruppe des Landkreises sicherte sie sogar den Papstbesuch in Erfurt mit ab. Und nicht zu vergessen sind die fünf Blutspendetermine im Jahr mit jeweils zirka 40 Spendern. Um das Pensum auch künftig zu schaffen, können die Unterweißbacher Nachwuchs gebrauchen.
Michael Graf / 12.11.11 / OTZ

